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EMAS-Zertifikat für Franken-Schotter

Date: October 25, 2016
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Als erstes europäisches Natursteinwerk-Unternehmen erreicht Franken-Schotter die EMAS-Zertifizierung. Geschäftsführer Torsten Zech im Gespräch mit thinkstep.

Franken-Schotter – Das erste Naturwerkstein-Unternehmen mit EMAS Zertifikat

Herr Torsten Zech, Geschäftsführer der Franken-Schotter GmbH & Co. KG im Gespräch mit Alexander Fischer, thinkstep AG

thinkstep: „Franken-Schotter ist eines der ersten Unternehmen im Natursteinbereich in Europa, das ein Umweltmanagementsystem nach EMAS Verordnung eingeführt hat. Was waren ihre Beweggründe?

Dr.-Ing. Torsten Zech: „Wir sind ein ressourcengewinnendes und –verarbeitendes Unternehmen, das Naturprodukte verkauft. Daher ist die Hauptmotivation für uns, nachhaltig zu wirtschaften. Wir haben  ein Werkzeug gesucht, das uns dabei möglichst umfassend unterstützt. EMAS verstehen wir als Werkzeug, um uns beim Thema Nachhaltigkeit besser aufzustellen. Rechtssicherheit, Compliance und steuerliche Vorteile waren nur Nebeneffekte. Primär wollen wir unsere Nachhaltigkeit verbessern.“

thinkstep: „Haben Sie im Zuge der Einführung des Umweltmanagementsystems neue Erkenntnisse gewonnen, die Ihnen helfen die Umweltleistung ihres Unternehmens weiter zu verbessern? 

Dr.-Ing. Torsten Zech: „Wir haben sicherlich schon einige Dinge entdeckt, stehen aber noch am Anfang. Der primäre Nutzen von EMAS liegt im Moment darin, dass wir den Stand unserer Umweltleistung kennen und wissen, wo die wichtigsten Einflussfaktoren liegen. Dies ermöglicht es uns, in Zukunft unsere Nachhaltigkeitsleistung gezielt zu verbessern. Das kann man an unseren Investitionsplänen sowie einer Reihe von Maßnahmen sehen, die wir in diesem Jahr bereits durchführen. Ein weiterer Nutzen ist, dass wir unsere Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert haben und alle gemeinsam an einem Strang ziehen.“

thinkstep: Versprechen Sie sich durch das Umweltmanagementsystem eine Verringerung des Energie- und Ressourcenverbrauchs und damit Kostensenkungen?

Dr.-Ing. Torsten Zech: „Wie gesagt ist EMAS für uns primär ein Werkzeug, es liefert Transparenz.Als rohstoffgetriebenes Unternehmen bewegen wir relativ große Massenströme, die immer mit signifikanten Kosten und Ressourceneinsatz verbunden sind. In der Regel gehen Umweltnutzen und betriebswirtschaftliche Abwägungen bei uns relativ nah zusammen. Das heißt, wir nehmen nicht nur Kostensenkungen oder nur Ressourcenoptimierungen vor, sondern meist beides. EMAS hilft uns dabei durch die gewonnene Transparenz.“

thinkstep: Wie wichtig ist ein Umweltmanagementsystem nach EMAS Verordnung für ihre Kunden? 

Dr.-Ing. Torsten Zech: „Wir haben Kunden in über 150 Ländern der Welt, da sind die Anforderungen sehr unterschiedlich. Das konkrete Interesse an Umweltmanagementsystemen ist bei unseren Kunden noch wenig ausgeprägt. Mit dem Trend zum nachhaltigen Bauen sehen wir dennoch einige Anfänge, vor allem bei großen Architekturprojekten in Nordamerika, Großbritannien und der Schweiz, die nach LEED, BREEAM oder lokalen Anforderungen zertifiziert werden. Aus Deutschland sehen wir noch keine konkreten Nachfragen. Das Gebäudezertifizierungssystem DGNB dringt aus meiner Sicht noch nicht durch die Kette bis zum Natursteinlieferanten durch. Aus Nordamerika und Großbritannien kommen im Rahmen der Lieferantenzertifizierung Fragen zu Kinderarbeit, Ressourcenherkunft und auch, wie das Unternehmen in puncto Management, auch Umweltmanagement, aufgestellt ist.“

thinkstep: Im Rahmen einer deutschlandweiten Befragung (2016) haben wir festgestellt, dass für viele Unternehmen das Fehlen von internen Kapazitäten und  erforderlichem Know-How zu den größten Hürden bei der Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen gehört. Inwieweit war das für ihr Unternehmen ein Thema?

Dr.-Ing. Torsten Zech: „Wir hatten uns das anspruchsvolle Ziel gesetzt, bis Ende 2015 zu zertifizieren. Da wir mit wenig interner Kapazität und Erfahrung gestartet sind, haben wir uns einen externen Partner gesucht – als Sprungbrett, um das Umweltmanagementsystem möglichst schnell und effizient einzuführen. Besonders praktisch erweist sich gerade jetzt in der Anfangszeit, dass wir das System mit dem Dienstleister nicht nur aufgebaut haben, sondern es mit ihm zusammen auch betreiben. Das bringt uns Geschwindigkeit und Sicherheit gleichermaßen. Außerdem haben wir von Anfang an ökonomisch von der Zusammenarbeit profitiert, die Investition hat sich gelohnt. Für uns als mittelständisches Unternehmen ist die Planbarkeit bei diesem Punkt natürlich von großer Bedeutung. 

Für die Zukunft überlegen wir uns, gegebenenfalls eigene Kapazitäten aufzubauen, um das Umweltmanagement noch intensiver ins Unternehmen zu integrieren. Ansonsten war uns wichtig, dass wir bei der externen Leistung möglichst viel aus einer Hand bekommen – das heißt, Unterstützung bei der Einführen des Managementsystems, eine geeignete Softwarelösung für das Datenmanagement (SoFi Software, Anm. der Redaktion) und auch Unterstützung bei der Erstellung von Umweltproduktdeklarationen (EPDs).“

thinkstep:Im Zuge der Einführung von EMAS haben Sie auch ihre Produkte unter Umweltgesichtspunkten unter die Lupe genommen. Welche Bedeutung haben Produkt-Ökobilanzen und Umweltproduktdeklarationen (EPDs) für ihr Unternehmen?

Dr.-Ing. Torsten Zech: „Der Markt fängt an, danach zu fragen, vor allem aus den angelsächsischen Märkten. Wir wollen mit den Themen offensiv umgehen: Wir haben Naturprodukte und wollen objektiv kommunizieren, wie gut sie sind. Mit der belegbaren Umweltperformance möchten wir uns außerdem gegen alternative Materialien und Imitate positionieren. Zu unserem Nachhaltigkeitskonzept gehört, dass wir unseren Kunden ganz klar auch Umweltinformationen zu den Produkten liefern können. Wir wollen den Architekten und Bauherren damit unterstützen, nachhaltig zu bauen.“

thinkstep: „Mit der EMAS Einführung und der Veröffentlichung von Umweltproduktdeklarationen für ihre Produkte nimmt Franken-Schotter eine Vorreiterrolle in seiner Branche ein. Worauf sollten ihre Mitstreiter achten, wenn sie sich dazu entschließen dem Vorbild Franken-Schotter zu folgen?

Dr.-Ing. Torsten Zech: „Wir sprechen normalerweise nur für uns und halten uns mit Ratschlägen an andere zurück. Die strukturellen Voraussetzungen und Zielsetzungen sind in anderen Unternehmen sicherlich unterschiedlich. Wir würden dennoch jedem empfehlen, ein umfassendes Umweltmanagement einzuführen und nicht nur einen Teilbereich wieden Energieverbrauch zu optimieren. Es ist hilfreich, die gesamte Umweltleistung zu betrachten.“

thinkstep: „Vielen Dank für das Gespräch“